20. Mai 2012

Vers 2: Die 37 Bodhisattva Übungen


"Der Geist der Anhaftung an unsere Lieben schwankt wie Wasser. Der Geist des Hasses auf Feinde brennt wie Feuer. Der Geist der Ignoranz, der vergisst, was anzunehmen und was abzulegen ist, ist stark vernebelt. Das eigene Heimatland aufzugeben, ist des Bodhisattvas Praxis."

(übersetzt nach Ari Kievs neuer Übersetzungs-Version 2012)

Die Wurzelursache Samsaras ist die Anhaftung an die falsche Idee eines Selbst. Aufgrund von Anhaftung nehmen wir immer und immer wieder Geburt in den sechs Bereichen Samsaras an.
Obgleich man in dieser Welt leben mag, ...wenn man nicht anhaftet, wandert man nicht in Samsara. 
In unserem Heimatland treffen wir auf Gegenspieler, die wir nicht leiden können, und wir haften an unseren Familien und Freunden. Wenn wir unser Heimatland verlassen und an einen anderen Ort gehen, haften wir nicht an den Menschen dort, wir betrachten sie alle gleich.
Wie auch immer, wenn wir nicht den Nachteil von Anhaftung und Ablehnung verstehen, werden wir wieder unsere Gegner hassen und an unseren Freunden hängen, auch wenn wir an einen anderen Ort ziehen. Wieder werden wir an den Menschen anhaften, die uns wohlwollend behandeln und diejenigen nicht mögen, die zu uns unfreundlich sind. Daher ist es wichtig, den Irrtum von Anhaftung und Ablehnung zu erkennen. Wenn Du in der Lage bist, diesen Irrtum wahrzunehmen, gibt es keinen Grund, Dein Heimatland aufzugeben. 


Bedenke, was passiert, wenn nur eine subtile Emotion der Anhaftung oder Ablehung aufkommt. Zum Beispiel, wenn Du anderen eine bestimmte Person beschreibst, ...wenn er dein Freund ist, wirst Du nur seine guten Qualtitäten erwähnen; aber wenn Du ihn nicht magst, wirst Du nur seine Fehler aufzeigen und seine guten Qualitäten unerwähnt lassen. 
Befleckt durch Anhaftung und Ablehnung können wir nicht sehen, wie die Dinge wirklich sind. Wenn wir über Situationen nachdenken, die weniger emotional aufgeladen sind, werden wir verstehen, dass wahre Intelligenz innerhalb eines Geistes des Gleichmuts entsteht, ein Geist, der ungefärbt von Anhaftung und Ablehnung bleibt. Wenn Du aufmerksam bist und Deine Gedanken aufsteigen siehst, zum Beispiel in einem Gespräch, wirst Du sofort wahrnehmen, wenn Du versucht bist, etwas Negatives über jemanden zu sagen, nur weil Du ihn oder sie nicht besonders magst.
Anhaftung und Liebe können sehr leicht verworren sein... Liebe meint, aufrichtige Liebe zu leben und dem anderen Glück zu wünschen, ohne jegliches Gefühl des Besitzens und des Wunsches nach eigenem Glück. 


Sogar jemand, der generell Karma versteht, kann dieses [Wissen] zeitweise verwerfen, wenn eine intensive Emotion der Wut oder der Begierde entsteht. Manche sind von der Emotion überwältigt und beteiligen sich blindlings an negativen Handlungen. Andere verüben wissentlich üble Taten, unfähig, ihnen zu widerstehen aufgrund der Kraft der Leidenschaft. Das ist es, was der Vers meint mit "Der Geist der Ignoranz, der vergisst, was anzunehmen und was abzulegen ist."
Tilopa sagte zu Naropa: "Sohn, es sind nicht die Erscheinungen, die dich fesseln, es ist das Greifen nach diesen Erscheinungen, das den Geist fesselt."
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Erinnerungen der Güte, des Mitgefühls und Deiner eigenen wahren Natur, von Seiner Eminenz Garchen Rinpoche.

Übersetzungs copyright der deutschen Fassung © 2012 Daniela König.

Redigiert von Ulli Kupzog 2013
Übersetzung des Verses redigiert von Sonam Spitz 2013
Übersetzungs copyright der englischen Fassung © 2012 Ina Bieler.
Die Zitate können an Freunde weitergeleitet werden, aber alle anderen Rechte sind vorbehalten.
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The 37 Bodhisattva Practices Series:

Verse 2

 
"The mind of attachment to loved ones wavers like water. The mind of hatred of enemies burns like fire. The mind of ignorance which forgets what to adopt and what to discard is greatly obscured. Abandoning one’s homeland is the bodhisattvas’ practice." The root cause of samsara is the attachment to the false idea of a self. Due to attachment we take birth in the six realms of samsara again and again. Although one may live in this world, if one is not attached, one does not wander in samsara. In our homeland we meet the adversaries whom we dislike, and we are attached to our families and friends. If we abandon our homeland and go to a different place, we are not attached to the people there, we see them all as the same. However, if we do not understand the detriment of attachment and aversion, we will again hate our opponents and cling to our friends, even if we move to a different place. Again we become attached to those people who treat us well and we dislike those who are unkind to us. Thus it is important to recognize the fault of attachment and aversion. If you are able to recognize their fault, there is no need to abandon your homeland. Consider what happens when only a subtle emotion of attachment or aversion arises. For example, when you are describing a certain person to others, if he is your friend, you will only mention his good qualities; but if you dislike him, you will only point out his faults and not mention his good qualities. Tainted by attachment and aversion we cannot see how things really are. When we think about situations that are less emotionally charged, we come to understand that true intelligence arises within a mind of equanimity, a mind that remains uncolored by attachment or aversion. If you are mindful and recognize your mental arisings, for example, in conversation you will immediately recognize when you are tempted to say something negative about someone just because you don’t like them very much. Attachment and love can easily be confused. Love means to feel sincere love and a wish for the other's happiness, without any sense of ownership and a wish for one's own happiness.
Even someone who generally understands karma, temporarily dismisses it when an intense emotion of anger or desire arises. Some are overwhelmed by the emotion and blindly engage in negative deeds. Others commit evil deeds knowingly but are incapable to resist due to the force of the passion. This is what the verse means by “the mind of ignorance which forgets what to adopt and what to discard.”Tilopa said to Naropa: "Son, it is not the appearances that fetter you, it is the grasping at those appearances that fetters the mind." 

  -- Reminders of Kindness, Compassion, and Your Own True Nature by Kyabje Garchen Rinpoche Translation copyright © 2012 Ina Bieler. All rights reserved. The quotes may be forwarded to friends, but all other uses are reserved.


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